Nationaldichter Alexander Puschkin

Alexander Puschkin (06. Juni 1799 – 10. Febr. 1837); russischer Dichter

Der in Moskau geborene Alexander Sergejewitsch Puschkin entstammte durchaus untypischen Familienverhältnissen. Zwar gehörte er väterlicherseits einem alten russischen Adelsgeschlecht an. Seine Mutter war jedoch die Urenkelin eines äthiopischen Sklaven, der Peter dem Großen „geschenkt“ und später zu dessen Patenkind wurde.

 

Alexander Sergejewitsch Puschkin. Gemälde aus dem Jahr 1827.

Puschkins literarischer Werdegang startete in einer nahe Petersburg gelegenen Elite-Lehranstalt, die erst kurz vor seiner Aufnahme eröffnet worden war. Hier schrieb er 1815 seine „Erinnerungen an Zarskoje Selo“, ein patriotisches Gedicht, mit dem er erstmals von sich Reden machen sollte.

Nach seinem Abschluss im Jahr 1817 nahm Puschkin eine Stelle im Petersburger „Kollegium für auswärtige Angelegenheiten“ – dem Außenministerium des Reiches – an. Doch neben seinem politischen Wirken blieb er auch auf kulturellem Gebiet stark engagiert.

Er wurde zu einem begeisterten Theaterbesucher und trat der literarischen Gemeinschaft Grüne Lampe bei, deren ideologisches Wesen stark revolutionär-antizaristisch geprägt war. Zwar beteiligte sich Puschkin zu keiner Zeit aktiv am Wirken der Organisation, geriet jedoch keine drei Jahre später (1820) durch eine Reihe bitterböser Spottgedichte erstmals in den Fokus der russischen Strafjustiz.

Einer Verbannung nach Sibirien nur knapp entkommen, folgte für ihn eine unruhige Zeit mit permanenten Wohnortswechseln, zahlreichen Pistolen-Duellen und Perioden akribischen Schreibens, in denen er auch seine Arbeit am weltbekannten Versepos Eugen Onegin aufnahm (1823).

Im Anschluss an eine Audienz bei Zar Nikolaus I. wurde Puschkin 1826 die Rückkehr aus der Provinz in das großstädtische Leben Sankt Petersburgs gewährt. Zwar war er nun zumindest offiziell nicht mehr persona non grata. Doch auch jetzt blieb er im strengen Fokus der Obrigkeit. Seine Arbeiten und sein Lebenswandel wurden vom Zaren höchstpersönlich kontrolliert, was Puschkins Unzufriedenheit und Streitsucht nur noch weiter zu entfachen schien.

Daran vermochte auch seine Hochzeit (1831) mit Natalja Gontscharowa, Tochter aus einflussreichem Hause, nur wenig zu ändern. Puschkin, nun mit allerhand Privilegien ausgestattet, hasste die Teilnahme am dekadenten Leben des Petersburger Hofes mehr und mehr. Er sehnte sich nach Unabhängigkeit, war frustriert und aufgewühlt.

Kurz nach der ersten Ausgabe seiner Literaturzeitschrift Der Zeitgenosse stellte sich Puschkin erneut einem Duell und wurde schwer getroffen. Wenige Tage später, es war der 10. Februar 1837, erlag der Poet schließlich seinen Bauchverletzungen.

Puschkin gilt als Urvater der modernen russischen Literatur. Stilistisch verstand er es wie kein zweiter vor ihm, eine zumeist elegische Mischung aus Drama, Romantik und Satire einzusetzen – bis zum heutigen Tag ein bestimmendes Charakteristikum der klassischen russischen Literatur. Zu seinen bekanntesten Werken zählen: Boris Godunow (1825), Der eherne Reiter (1837) oder Eugen Onegin (1833), welches später von Pjotr Tschaikowski als Oper inszeniert wurde.


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