Sankt Petersburg - Metropole aus dem Nichts

„Hier soll eine Stadt sein!" – Mit diesen Worten gab Zar Peter der Große einer Sage zufolge im Jahr 1703 den Befehl zum Bau einer mächtigen Festungsanlage unweit der Newamündung. Was den Herrscher angesichts des sumpfigen Terrains hierzu verleitet haben könnte, dürfte wohl für immer Teil jener Gründungsmythen bleiben, die sich nun schon über 300 Jahre um die Anfänge St. Petersburgs ranken.

 

Die Goldkuppel der St. Isaaks- Kathedrale, erbaut von 1818-1858. Ein Glanzlicht der Stadt.

Den Beweis hingegen, dass Wahrheit und Dichtung - zumindest in diesem Fall - nicht weit auseinander liegen, hat die Historie schließlich selbst erbracht. Unter Aufbietung aller verfügbaren menschlichen und materiellen Ressourcen war es dem Zaren keine zehn Jahre später gelungen, ein geradezu monumentales Kunstwerk sein Eigen zu nennen.

 

Europäische Spitzenarchitekten hatten Visionen in Rekordzeit Taten folgen lassen, der Aufstieg zur Weltstadt konnte beginnen. Sankt Petersburg, kurz zuvor noch auf dem Reißbrett einer für damalige Zeiten hochmodernen Stadtplanung entworfen, wurde bereits 1712 Hauptstadt des Russischen Reiches. Der Zar hatte nun sein lang ersehntes "Fenster zum Westen", auch wenn Tausende Arbeiter seine ehrgeizigen Pläne mit dem Leben bezahlen mussten. Ein geradezu billigend in Kauf genommener Blutzoll.

 

Wasser und Weitläufigkeit: Die Akademie der Wissenschaften, Blick vom anderen Newa-Ufer.

Heute erinnert in St. Petersburg freilich kaum noch etwas an die Umstände der Gründungsjahre. Was bleibt, ist eine Metropole, die von Nobelpreisträger Joseph Brodsky (1940-1996) einmal als "schönste Stadt auf dem Antlitz der Erde" bezeichnet wurde. – Eine Aussage, die angesichts des faszinierenden Zusammenspiels von architektonischer Schönheit, Wasser und Weitläufigkeit keineswegs vermessen klingt.

 

Sankt Petersburg wirkt, als sei bei seiner Planung nahezu jeder Millimeter gedanklich durchgespielt worden. Allein der Blick über die Newa auf die beiderseits des Ufers gelegenen Prachtbauten spricht Bände. Hinzu kommt, dass sich in Piter, wie die Stadt von ihren Bewohnern (liebevoll) genannt wird, die Superlative nur so aneinander reihen.   Weiter im Text >>>